Informationen zur Einführung von PONG (FREI DAY Konzept)
PONG steht für ProjektOrientiert Nachhaltig Gestalten und ist die Version des FREI DAY-Konzepts für das WHG.
Nachdem bereits vor über einem Jahr von einigen Lehrkräften der Impuls kam, die Einführung des FREI DAY-Konzepts am WHG zu prüfen, haben wir in zunächst einer Arbeitsgruppe wie später auch in der Steuergruppe intensiv darüber diskutiert und uns durch Fortbildungen an zwei pädagogischen Tagen ausführlich informiert. Durch Exkursionen, u.a. mit Eltern und Schülerinnen und Schülern, zum Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium nach Wuppertal, wo man dieses Konzept bereits seit einigen Jahren umsetzt, haben wir die Umsetzung in der Praxis an einer MINT-Schule erleben dürfen.
Da sich genügend Lehrkräfte für die Mitarbeit bei der Umsetzung eines Pilotprojekts gefunden haben, hat die Schulleitung sich dafür entschieden, dieses der Schulkonferenz zur Entscheidung vorzulegen.
Um diese Entscheidung inhaltlich zu ermöglichen, finden sich hier die wichtigsten Aspekte des Konzepts.
Was ist eigentlich FREI DAY?
Das Format FREI DAY wurde von der Bildungsorganisation Schule im Aufbruch entwickelt, die 2012 von Margret Rasfeld, Prof. Gerald Hüther und Prof. Stefan Breidenbach gegründet wurde. https://schule-im-aufbruch.de/
Der FREI DAY ist ein vierstündiges Lernformat, in dem sich Kinder und Jugendliche mit eigenen Zukunftsfragen auseinandersetzen und in Teams konkrete Projekte entwickeln, die sie in der Schule, Gemeinde oder Stadt umsetzen.
In vier Stunden am Stück pro Woche ist der FREI DAY fester Bestandteil im Stundenplan. Im Unterschied zum normalen Unterricht ist vieles offen: Gruppenzusammensetzung, Ort, Arbeitsweise, Rollenverteilung und die Projekte selbst. Thematische Vorgabe ist einzig, dass sich Schülerinnen und Schüler mit sozialen und ökologischen Herausforderungen beschäftigen – orientiert an den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen.
Die thematische Klammer des FREI DAY bilden die BNE-Ziele (Bildung für nachhaltige Entwicklung), die Teil der von den Vereinten Nationen verabschiedeten Agenda 2030 sind. Mit dieser Agenda hat sich die Weltgemeinschaft 17 Ziele für eine soziale, ökologische, nachhaltige und wirtschaftliche Entwicklung gesetzt. Beim FREI DAY geht es also nicht um Schulfächer und Stoff, sondern um die Verbindung von Wissen und Handeln für eine bessere Welt.
Bildungspolitische Verankerung
Das Schulministerium in NRW unterstreicht die Bedeutung der BNE und hat im Jahr 2019 zur BNE eine ausführliche Leitlinie veröffentlicht.
https://www.schulministerium.nrw/bildung-fuer-nachhaltige-entwicklung
Welche Ziele verfolgen wir mit PONG?
Unsere Schülerinnen und Schüler sollen im Rahmen der PONG-Stunden Ideen und Projekte entwickeln, die sich an den Global Goals (SDGs) der Vereinten Nationen orientieren. Diese Projekte können sehr unterschiedlich sein, haben aber alle zum Ziel, den Schülerinnen und Schülern einerseits die interessengleitete Auseinandersetzung mit drängenden Zukunftsfragen zu ermöglichen. Andererseits wollen wir ihnen die Chance bieten, projektbasiertes Arbeiten im Team zu erfahren und dabei auch überfachliche Kompetenzen und die Fähigkeit zu einem erfolgreichen selbstregulierten Lernen zu erwerben. Und nicht zuletzt sollen die Schülerinnen und Schüler die Erfahrung von Selbstwirksamkeit machen, indem sie mehr Verantwortung für sich und andere übernehmen und dabei ihre eigene Umwelt aktiv mitgestalten.
Umsetzung am WHG
Die bisherigen Angebote in den Profilstunden sind hinsichtlich der Versetzung nicht relevant, wenngleich sie benotet wurden, um eine Rückmeldung über die erreichten Kompetenzen zu geben. Gemäß der Idee des FREI DAY werden die PONG-Projekte nicht benotet. Ziel ist vielmehr die praktische Auseinandersetzung mit realen Problemen sowie die Zusammenarbeit mit externen Akteuren wie z.B. Vereinen oder kommunalen Einrichtungen. Das Gelingen oder auch das manchmal dazugehörige Scheitern sind wertvolle Erfahrungen für die jungen Menschen, sodass die klassische Notengebung hier keinen Mehrwert bedeuten würde.
Das PONG-Konzept soll an die Stelle des MINT-Profils bzw. des Sprach-/Musikprofils der Jahrgangsstufen 7/8 treten, ohne aber die damit bisher verbundenen Inhalte einfach nur zu streichen. Diese können viel mehr von den Schülerinnen und Schülern im Rahmen der Projekte individuell aufgegriffen und vertieft werden.
Am WHG werden dann die zwei Profilstunden, eine Lernzeit und die Mittagspause zu einem Block zusammengefasst. Diese werden dann donnerstags in der 5.-8. Stunde im Stundenplan liegen. Natürlich werden die Kinder weiterhin die Mittagspause als solche haben, aber im Sinne der eigenverantwortlichen Projektarbeit wird diese aber von den Projektgruppen individuell gelegt.
In der Jahrgangsstufe 7
Im ersten Jahr findet die methodische Einführung statt. Dazu hat die Arbeitsgruppe sich unter anderem auch an den Schulmaterialien der Deutschen Gesellschaft für Projektmanagement e.V. GPM orientiert. https://www.gpm-ipma.de/politik-gesellschaft/bildung/pm-an-schulen
Die Schülerinnen und Schüler erlernen schrittweise zentrale Aspekte der Planung, Durchführung und Auswertung eines Projekts, erarbeiten die Gelingensbedingungen zur Umsetzung eines Projekts und wenden die neu erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten, z.B. auch in Bezug auf die Kommunikation in einem ersten noch unmittelbar auf die Schule begrenzten Projekt an. Diese Erfahrungen und Kenntnisse bilden die Basis für die darauffolgende Jahrgangsstufe 8.
In der Jahrgangsstufe 8
Die Schülerinnen und Schüler fokussieren sich nun deutlicher auf die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Der Projektrahmen „Schule“ der Jahrgangsstufe 7 wird auf „außerschulische Welt“ erweitert. Die Projekte können nun größer angelegten sein und sich auch inhaltlich weiter vom Kontext Schule entfernen.
Es wird drei Veranstaltungen geben, auf denen die Schülerinnen und Schüler ihre Projektideen und deren Umsetzung auch präsentieren dürfen. Sie werden durch die Erfahrungen in ihren eigenen Projekten ermutigt sich auch über das Schulleben hinaus auf unterschiedlichste Weisen und zivilgesellschaftlich zu engagieren und die Bereitschaft zu Veränderung und Innovation zu entwickeln.
Was verändert sich im Stundenplan?
Die sogenannten Ergänzungsstunden, die seit vielen Jahren für die MINT-Kurse bzw. das Sprach- und zuletzt auch das Musikprofil genutzt wurden, werden stattdessen für PONG eingesetzt. Dies stellt jedoch keine Gefahr für den MINT-Schwerpunkt der Schule dar, trotz der Veränderung bleibt mit dem Fokus auf die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) eine starke naturwissenschaftliche Prägung des WHG erhalten. Auch das von uns besuchte Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium in Wuppertal ist wie das WHG Mitglied im MINT-EC und wurde im Schuljahr 2023/24 mit dem Schulpreis des MINT-EC ausgezeichnet.
FREI DAY bzw. PONG und MINT schließen sich also nicht aus, sondern ergänzen sich vielmehr und bieten die Chance die Förderung der MINT-Fächer mit einem projektorientierten Unterrichtskonzept zu verbinden.
Die bisher für eine fachgebundene Lernzeit in der Jahrgangsstufe 7 bzw. 8 genutzte Stunde des Ganztags wird nun für das fachübergreifende und überfachliche Lernen im Rahmen von PONG genutzt.
Bereits bei der Einführung des Ganztags am WHG hatten die Eltern den eindeutigen Wunsch geäußert, dass der Ganztag nicht den maximalen Rahmen, also bis einschließlich 9. Stunde an Langtagen, ausschöpft. Das Lernzeitenkonzept für die 7.10. Klasse sieht daher vor, dass Lernzeitaufgaben zumindest teilweise nicht in der Schule, sondern zuhause erledigt werden. Das Angebot, Lernzeitaufgaben freiwillig in der Schule zu erledigen, wurde anfangs noch von einigen Schülerinnen und Schülern überwiegend aus der Jahrgangsstufe 7 angenommen. Seit mehreren Jahren aber werden diese Angebote nicht mehr genutzt.
Die Anfertigung von Lernzeitaufgaben in der Schule ist auch für manche Schülerinnen und Schüler schwierig, weil im Klassenverband nicht immer die nötige Arbeitsruhe herrscht. Die Bearbeitung der Aufgaben im häuslichen Umfeld ist daher vielfach effektiver.
Die Nutzung einer Stunde des Ganztags für das PONG-Konzept statt für eine Lernzeit ist aus unserer Sicht daher nicht nachteilig, auch wenn es bedeutet, dass Übungen für das bisherige Lernzeit-Fach nun zuhause erfolgen.
Fazit
Das PONG-Konzept verbindet projektorientiertes Arbeiten mit zukunftsrelevanten Lernzielen. Schülerinnen und Schüler erwerben dabei nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern erfahren auch Selbstwirksamkeit und übernehmen Verantwortung für ihre eigene Zukunft. Die Schulleitung und die Arbeitsgruppe sehen darin einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung des WHG.
